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Ausstellungstext

SPION OST/WEST
Kunst-Schau-Fenster im Rehmann-Museum Laufenburg

Andrea Gerber

Das Schaufenster
Normalerweise präsentiert man in Schaufenstern Mode, Accessoires, Autos usw. – alles Produkte die der Betrachter im dazugehörigem Laden einkaufen kann. Das Fenster trennt Objekt und Betrachter. Die durchsichtigen Fenster haben die Aufgabe etwas zu Präsentieren. Im Kunst-Schau-Fenster vom Museum Rehmann präsentiert man hinter Glas Kunst.

Verschalung
In der Arbeit «Spion West und Spion Ost» wird die Aufgabe des präsentierenden «Schaufensters» bewusst nicht erfüllt. Das Schaufenster wird mit einer bemalten Holzverschalung zugedeckt. Einzig der Spion zeigt einen begrenzten Inhalt des Schaufensters. Im Gegensatz zur Offenlegung von Objekten in einem Schaufenster wird man beim Spion gezwungen zu Beobachten. Er macht neugierig darauf, was sich hinter dem Bullauge befindet.

Spion
Wenn man durch einen Spion schaut geht es um ein heimliches Beobachten. Die Situation ist aber keineswegs einseitig: Man traut sich kaum durchzuschauen, weil man im Ungewissen ist, ob die Person draussen das Auge sieht – man fühlt sich beim Beobachten beobachtet. Die Neugierde wird mit einem Gefühl des Unheimlichen bestraft.

Spion West
Hinter dem ersten verkleideten Kunstschaufenster entdeckt man eine Wohnsituation:
Auf einem Sofa sitzt am Rande eine Person. Im Hintergrund sieht man ein langes Fenster und dahinter Dunkelheit. Vielleicht bewegt sich die Person manchmal – wie man sich eben bewegt. Die Situation soll neugierig machen und die Fantasie anregen. Denn wenn man etwas beobachtet, erhofft man sich, mit etwas Aussergewöhnlichen belohnt zu werden – in diesem Fall geschieht aber nicht viel. Was stellt man sich vor, wenn man durchblickt?
Der Zeitfaktor spielt beim Beobachten immer eine grosse Rolle: Ein wissenschaftliches Beobachten verlangt Ausdauer, ein privates, heimliches Beobachten zielt im Gegensatz auf eine schnelle Befriedigung. Wie lange hält man es beim Beobachten aus, wenn sich keine grosse Veränderung abzeichnet.

Spion Ost
Hinter dem zweiten Kunstschaufenster wird man direkt von einem Auge angeblickt. Es blinzelt. Plötzlich wird man selber beobachtet. Fühlt man sich ertappt? Ist es unangenehm, nicht mehr im Geheimen zu beobachten? Es entsteht eine Verdoppelung der Blicke: Dasjenige, was man sieht, blickt zurück.

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