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Ausstellungstext

5xSIEDEN
Das Kunstfenster von Andrea Gerber

Marcel Deubelbeiss
Andrea Gerber wohnt seit vier Jahren in Windisch. Als Künstlerin ist sie selbstverständlich auch treue Besucherin des Kulturlokals Dampfschiff. Dieses bereichert sie nun mit dem originellen Kunstwerk 5xSIEDEN, das ab nächster Woche im Lokal zu bestaunen ist.

Diesen kleinen Museen der Strasse hat Andrea Gerber ein Denkmal gesetzt: Sie stellt Wasserkocher aus und geht so spielerisch auf die Lokalität des Dampfschiffes ein.
Verkauft wird allerdings nichts – dafür darf man sich mit Gedanken über das Verhältnis von Kunst und Alltag bereichern. Denn die meist naiv gestalteten Schaufenster drohen im Zeitalter des Internet-Shoppings schon bald ein Relikt zu sein. Spätestens dann wäre es Aufgabe der Kunst, von ihrem Podest zu steigen, um die dekorative Ästhetik der ihr vielleicht suspekten Bühnen der alltäglichen Warenwelt zu konservieren. In diesem Sinne kann die Arbeit „5xSIEDEN“ als eine melancholische Weiterführung des PopArt-Gedankens verstanden werden.
Die ausgestellten Wasserkocher scheinen allerdings das ihnen bevorstehende Schicksal stoisch zu ertragen. Sie bleiben ganz ruhig. Aber Achtung: Den geduldigen Betrachter belohnen sie mehrmals am Abend mit Schall und Rauch. Innehalten lohnt sich!
Zur Künstlerin: Andrea Gerber studierte vier Jahre an der Zürcher Hochschule der Künste im Fach Bildende Kunst. Seid ihrem Abschluss arbeitet sie einerseits als freischaffende Künstlerin und andererseits als Schreinerin. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine oft irritierende Verquickung von alltäglichen Objekten und freier künstlerischer Formen aus.

 

General-Anzeiger, 7. Januar 2010

Werbung und Identität
BRUGG: Neues Kunstfenster im Dampfschiff

Ester Meier
Andrea Gerber wohnt seit vier Jahren in Windisch. Als Künstlerin ist sie selbstverständlich auch treue Besucherin des Kulturlokals Dampfschiff. Dieses bereichert sie nun mit dem originellen Kunstwerk 5xSIEDEN, das ab nächster Woche im Lokal zu bestaunen ist.

Andrea Gerber besuchte nach der Schreinerlehre während vier Jahren die Zürcher Hochschule der Künste im Fach Bildende Kunst. Das war noch vor der Einführung der Bachelor- und Masterlehrgänge, die heute drei beziehungsweise fünf Jahre dauern. Im Rahmen ihres Fachs war sie ausserordentlich frei, denn das reicht von der traditionellen Malerei über die Bildhauerei bis zu Performances und Konzeptkunst, um nur diese wenigen Beispiele zu nennen.
Die Diplomarbeiten wurden im Toni-Areal ausgestellt. Daneben zeigte sie eigene Arbeiten auch schon an der Pfingstweidstrasse, in Herisau im sogenannten Kunstkasten oder noch während des Studiums in Pfäffikon. Bereits zweimal wurde sie an der Weihnachtsausstellung des Kunsthauses Aarau aufgenommen, wo sich im Kanton wohnhafte Kunstschaffende bewerben können. Überhaupt steht sie der kantonalen Kunstförderung positiv gegenüber, auch wenn ein Mehr nie zu viel sein kann.
Als treue Dampfschiffgängerin kannte sie das Gefäss "Kunstfenster" und hatte eine glänznede Idee dafür, die sich auf den Namen des Lokals bezieht. Durch fünf Bullaugen siet der Passant fünf Wasserkocher – solche findet man auch an der Bar. Ausserdem können sie Dampf machen, wie das in der Bezeichnung suggeriert wird. Doch es bleibt nicht beim stummen Betrachten, sondern es gibt zwischendurch immer mal wieder Action, die durch die Mikrofone übertragen wird. Dieser Tonteppich soll die Besucherinnen und Besucher in die Ferne entführen.
Viele Ideen schöpft die Künstlerin aus ihrer Alltagsarbeit als Schreinerin bei den technischen Diensten der Klinik Königsfelden. Deshalb arbeitet sie gerne mit Industriematerialien. Überhaupt hat es ihr der Alltag angetan. Allerdings nicht in seiner herkömmlichen Art, sondern sie nimmt einzelne Objekte und stellt sie in einen neuen irritierenden Zusammenhang, um die Aufmerksamkeit der Betrachter auf diese Weise zu wecken.
So hat sie auch das Kunstfenster als Schaufenster und zugleich als Werbefläche für die Kultrustätte Dampfschiff inspiriert. Sie meint im Hinblick auf alltägliche Schaufenster: "Mit Dekorationen, die meist an Traumwelten erinnern, erkämpfen sich solche Guckkästen des freien Marktes die Aufmerksamkeit eiliger Passanten."

An der Vernissage vom Freitag, 8. Januar, 19 Uhr, wird Andrea Gerber persönlich anwesend sein und sich gerne mit Gästen austauschen. Auch sonst wird man sie häufig dort treffen, das Kunstfenster "5xSIEDEN" bleibt bis 31. März bestehen.

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